Pamela Westmeyer auf Delegationsreise in Valmiera

Vom Stadtrundgang durch die Altstadt von Riga, der Besichtigung eines Umweltzentrums und einer Behindertenwerkstatt bis zum Treffen mit Wirtschaftsvertretern – viel stand in diesem Jahr auf dem Programm der Delegation aus dem Kreis Gütersloh. Fünf Tage lang besuchte sie die Partnerregion Valmiera in Lettland. 37 Teilnehmerinnen und Teilnehmern um Landrat Sven-Georg Adenauer und Partnerschaftskoordinator Hans-Joachim Schwolow waren in die Region gereist, zu der der Kreis Gütersloh seit 1994 eine Partnerschaft pflegt.

In Valmiera tut sich aktuell einiges: Die Leichtathletikarena wird runderneuert, ein neues Schwimmzentrum ist fast fertig, bis 2021 soll ein Industriegebiet entstehen und auch der Wohnungsbau ruht nicht. Davon konnten sich die Besucher bei einer Stadtrundfahrt überzeugen. Trotzdem ist und bleibt die Stadt grün, immerhin 33 Prozent von Valmiera sind Wald und Wiese, fünf Prozent nimmt der Fluss Gauja ein. Ebenfalls von viel Landschaft umgeben ist der Abfallwirtschaftsbetrieb in Daibe, den die Delegation kennen lernte. Es handelt sich dabei um die Mülldeponie- und Entsorgungsstelle für die gesamte Region Nordvidzeme, zu der Valmiera gehört. Für die 28 Kommunen, die ihre Abfälle dorthin liefern, soll die Anlage Kapazitäten für die nächsten 50 Jahre bieten. Mit 115 Hektar ist das Gelände sogar größer als das der Stadt Riga. Seit gut einem halben Jahr können im dazugehörigen Umweltzentrum jeden Tag 60 Schülerinnen und Schüler aus ganz Lettland unterrichtet werden. Biologie, regional vorkommende Gesteine und Baumarten, Naturspielzeuge aber auch Teamarbeit stehen dabei zum Beispiel auf dem Programm. Neben einer Vogelklasse soll demnächst eine Waldklasse eingerichtet werden, in denen die Kinder über entsprechende Themen informiert werden. Beim Bau habe man von den Erfahrungen und der Beratung aus dem Kreis Gütersloh profitiert und hoffe auch weiterhin auf gegenseitigen Austausch, erklärte der Leiter der Deponie.

Selbst aktiv werden konnte die Delegation in der Firma Svenne, die Metall verarbeitet und Kerzen herstellt. Eine interessante Kombination, die wohl auf die beiden Eigentümer des kleinen Betriebes zurückzuführen ist – sie kümmert sich um die Kerzen, er um das Metall. Und so gab es auch zwischen den männlichen und weiblichen Delegationsmitgliedern eine strikte Trennung beim Schmieden und Kerzenherstellen. Für die Unternehmensvertreter stand zudem noch ein Besuch bei der lettischen Industrie-und Handelskammer an, wo ein Austausch über die Wirtschaft Lettlands und Deutschlands stattfand. Dass die Letten spontan sind und improvisieren können, zeigten sie als am Abend ein Konzert im Garten stattfinden sollte, es aber ziemlich regnete. Kurzerhand wurde das Konzert ins Treppenhaus der Musikschule Valmiera verlegt. Die Musikschüler präsentierten lettische Lieder und spielten Instrumente wie das sogenannte Kokle, ein sehr altes lettisches Instrument, für das es keinen deutschen Namen gibt, wie lächelnd gesagt wurde. Grund zum Lächeln gab es sowieso viel in den fünf Reisetagen: Die lettischen Gastgeber hatten wieder ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt, bei dem es viel zu Sehen und viele Möglichkeiten zum Austausch gab.

Zu den Teilnehmern der Delegationsreise gehörten in diesem Jahr unter anderem die Unternehmensvertreter Otto Nüßer (Venjakob Maschinenbau), Gerhard Wellmann (Wellmann Anlagentechnik), Hermann Kuhre (Kuhre Erdbau), Ulrich Berens (Bio-Circle Surface Technology), Georg Effertz (Effertz Bedachung und Gerüstbau) sowie die politischen Vertreter Dirk Holtkamp (Mitglied des Kreistages), Pamela Westmeyer (stellvertretende Bürgermeisterin Harsewinkel), Dieter Baars (stellvertretender Bürgermeister der Stadt Halle (Westf.)), Ulrike Niemeier-Müller und Elke Rosenthal (beide Mitglieder des Rates der Stadt Halle (Westf.)), Henrike Hollweg-Lohrer und Karl-Heinz Lohrer (Ratsmitglieder Steinhagen) sowie Ulrich Bredhorst und Birgit Ernst (beide Ratsmitglieder Werther (Westf.)) und zahlreiche Interessierte und Freunde der Partnerschaft.

 

Die Partnerschaft zwischen dem Kreis Gütersloh und der Region Valmiera

Zwischen der lettischen Region Valmiera (ehemals Kreis Valmiera) und dem Kreis Gütersloh besteht seit 1994 eine offizielle Partnerschaft. Anfangs leistete der Kreis vor allem materielle Hilfen. Hauptsächlich in den Bereichen Bildung, Soziales, Umwelt und Wirtschaft. Feuerwehr und Rettungsdienst der Region Valmiera haben über die Jahre mehr als 30 Einsatzfahrzeuge aus den Kommunen und Gemeinden des Kreises erhalten. Inzwischen stehen der fachliche Austausch und die Pflege vieler Kontakte im Vordergrund. Es findet ein reger Austausch vor allem im kulturellen und schulischen Bereich statt. Gegenseitige Besuche von Chören, Jugendorchestern, Tanzgruppen, Künstlern sowie Schulklassen tragen alljährlich zur Pflege der Partnerschaft bei. Auch offizielle Schulpartnerschaften sind entstanden, es finden Au-pair-Aufenthalte und Schüleraustausche statt. Über die Kreisverwaltung hinaus bestehen auch zahlreiche Bande zwischen einzelnen Kommunen.