#EhrenamtHarsewinkel: Meloudas Nähtreff

Melouda hinter ihrer Nähmaschine - weil die anderen Frauen lachend abgewunken haben, als gefragt wurde, wer mit auf das Foto möchte

Bei Melouda wird nicht nur genäht, gestrickt und gehäkelt.

Im Nähtreff bei Melouda wird genäht, aber nicht nur – und so richtig geht es eigentlich auch gar nicht ums Nähen. Zwei Mal in der Woche treffen sich im Gemeinschaftshaus am Dammanshof Frauen und Kinder um zu reden, zu lachen, Kaffee zu trinken und das bunte Miteinander zu genießen. Wenn im Hintergrund eine Nähmaschine rattert, dann gut so, aber das eigentliche Herz des Treffs ist seit 6 Jahren Melouda.

 

Melouda: Ich bin vor 15 Jahren von Bielefeld nach Harsewinkel gezogen und das war ziemlich schwierig. Obwohl ich vorher schon seit so vielen Jahren in Deutschland gelebt hatte, habe ich mich hier in Harsewinkel viel einsamer gefühlt als in Bielefeld. Es war nicht einfach, hier Menschen kennenzulernen!

Erst als mein Sohn nach einem Jahr in den Kindergarten gekommen ist, habe ich mich mit einer Mutter dort angefreundet. Die konnte mich sehr gut verstehen, denn Simone ist in der gleichen Zeit von Münster nach Harsewinkel gezogen und wusste, was es heißt, aus einer größeren Stadt hierherzukommen.

Damals habe ich viel genäht und da hat Simone mir erzählt, dass am Dammanshof eine Nähgruppe entstehen solle. Sie hat mir vorgeschlagen, ich solle mich dort mal melden. Das habe ich im September 2012 dann getan und Carmen, die die Arbeit hier koordiniert, hat mich freudestrahlend begrüßt.

In den ersten Monaten waren immer nur so 2-3 Frauen dabei, aber langsam sind dann immer mehr gekommen. Innerhalb eines Jahres haben wir sogar den großen Raum des Gemeinschaftshauses gefüllt. Es kamen auch viele sehr unterschiedliche Frauen. Manche haben extra gebacken oder gekocht und die Leckereien mitgebracht.

Als ich am Dammanshof angefangen habe, gab es Gruppen aramäischer Frauen oder türkischer Frauen, aber die Gruppen sind eher unter sich geblieben. Hier haben wir dann aber angefangen uns alle zusammenzusetzen – es wurde wirklich international! Nach und nach kamen auch mehr Deutsche dazu.

Ein Jahr nach der Flüchtlingskrise kamen dann kaum noch Deutsche. Als wir einen Flohmarkt veranstaltet haben, der in allen Zeitungen beworben wurde, habe ich nur drei Deutsche gezählt. Nur drei! Ich glaube, viele haben Angst aufgrund der Vorurteile.

Als ich bei einer Deutschen – ein wirklich toller Mensch, den ich kenne – eingeladen war, hat sie ganz anders gesprochen als vorher wegen der Flüchtlinge. Ich habe ihr gesagt, dass es wirklich nicht so schlimm ist, wie sie denkt. Sie hatte in Harsewinkel nie wirklich Kontakt zu Ausländern und dann gibt es da natürlich viele Ängste. Man weiß nicht genau, was das für welche sind. Das verstehe ich auch. Aber solche Ängste muss man wirklich nicht haben. Ich habe so viele Flüchtlinge kennen gelernt und da sind wirklich viele tolle Menschen dabei! Meine deutsche Bekannte ist nach zwei Jahren dann aber auch endlich mal hergekommen und hat sogar Sachen gebracht.

[Die Syrerin Atla kommt mit ihrer Tochter herein.] Das ist Atla! Sie ist auch ein Flüchtling und seit 2 ½ Jahren hier in Harsewinkel und auch seitdem bei uns dabei. Sie macht hier den internationalen Mittagstisch. Da kommen auch ganz viele deutsche ältere Menschen hin!

Es ist einfach schön, so Zeit miteinander zu verbringen, und bringt wirklich viel Spaß!

 

Falls ihr Lust bekommen habt, mal bei Melouda oder Atla reinzuschauen, die beiden freuen sich bestimmt! Meloudas Nähtreff findet immer montags von 16.00 bis 20.00 Uhr statt und den (manchmal internationalen) Mittagstisch gibt es jeden Mittwoch.

Habt ihr noch altes Nähzeug, Stoffe oder Garn zu Hause liegen? Dann bringt gerne auch Nähutensilien mit oder vorbei!