#EhrenamtHarsewinkel: Die Fahrradwerkstatt der Oase

Khaled und Friedhelm reparieren für den guten Zweck Zweiräder.

Khaled und Friedhelm im Interview.

Handwerklich begabt und sozial engagiert sind Friedhelm und Khaled, die im Stadtteiltreff Oase jeden Mittwoch Fahrräder reparieren. Im Interview verraten sie mehr zu dem Projekt und ihrem Engagement.

 

Wo und wie engagiert Ihr Euch?

Friedhelm: Zwei Stunden pro Woche reparieren wir Fahrräder in der Fahrradwerkstatt der Oase. Wir gucken uns die Spendenfahrräder an, bei denen häufig die Elektrik repariert werden muss. Vom Fundbüro der Stadt bekommen wir auch Fahrräder, für die sich nach einem halben Jahr der Besitzer nicht gemeldet hat. Je nachdem, werden die entweder fertiggemacht oder ausgeschlachtet.

Die Fahrräder, die wir funktionstüchtig gemacht haben, werden dann gespendet oder weitergegeben. Dafür werden die Rahmennummer sowie der Name und die Adresse des Empfängers dokumentiert. So ist jedes Fahrrad dann auch registriert.

 

Was motiviert Euch?

Khaled: Ich helfe gerne anderen Menschen, egal ob Flüchtlingen oder Deutschen. Außerdem macht mir das Handwerken viel Spaß! Da ich auch Arabisch und Griechisch spreche, kann ich gut übersetzen und den Menschen erklären, was an ihrem Fahrrad kaputt ist.

Friedhelm: Letztens kam jemand, der versucht hatte sein Fahrrad, ein Hollandrad, selber zu reparieren. Es war schön, ihm zeigen zu können, was er falsch gemacht hat. Beim nächsten Mal wird er das Rad sicherlich selbst reparieren können. Und der hat sich so gefreut, dass es wirklich ein schönes Erlebnis war. Außerdem bin ich total fasziniert von den Geschichten der Fahrräder, wo sie wohl gekauft wurden und wie sie dann ihren Weg zu uns gefunden haben.

Khaled: Mir hilft der Kontakt mit Leuten auch dabei, besser Deutsch zu lernen. Bücher und Kurse sind gut, aber der Kontakt mit Deutschen und das Sprechen sind besser!

Friedhelm: Ich habe im Deutschen Haus die Erfahrung gemacht, dass die Leute durch Praxis, selbst wenn es nur eine Hilfsarbeitertätigkeit war, viel schneller Deutsch gelernt haben als nur durch Kurse alleine.

 

Eure Geschichte: Wie hat alles angefangen?

Friedhelm: Nach meiner Berufsunfähigkeit (eigentlich war ich Gärtner) wollte ich mir etwas suchen, das ich bis zum Rentenaltern machen kann. In der Zeitung wurde über die Flüchtlingsbetreuung berichtet und, dass dort Paten gesucht werden. So habe ich dann im Deutschen Haus angefangen einer Familie zu helfen, sie bei Behördengängen zu begleiten und ähnliches.

Zu der Zeit haben einige Bürger Fahrräder gespendet, die fertig gemacht werden mussten. Oft waren das kleine Reparaturen. Nachdem dann die Flüchtlinge aus dem Deutschen Haus in Harsewinkel Wohnungen gefunden hatten, bin ich mit meinem Werkzeug und den Fahrradteilen zur Oase gefahren. Dort hatte Gerd Wetzel die Reparaturwerkstatt unterhalten. Als der erkrankte, habe ich so die Vertretung übernommen.

Khaled: Ich bin von Beruf aus Elektriker, aber habe in Harsewinkel noch keine Stelle gefunden. Zu Hause zu sitzen, war mir zu langweilig. Als ich gesehen habe, dass Friedhelm in der Oase alleine arbeitet, habe ich gefragt, ob er Unterstützung gebrauchen könnte. Und der hat gemeint, kein Problem!

Friedhelm: Also es war kein Problem, sondern eine enorme Hilfe! In den zwei Stunden kann es vorkommen, dass mehrere Leute gleichzeitig für Reparaturen, Spenden oder die Bereitstellung von Rädern da sind. Alleine wäre ich da ziemlich überfordert gewesen. Es ist auch super, dass Khaled übersetzen kann. Es ist doch schwierig mit Händen und Füßen oder auf Englisch die technischen Details zu erklären.

 

Was wünscht Ihr Euch?

Friedhelm: Ich mag die Idee, mit einfachen Mitteln diese einfachen Fahrzeuge wieder zum Laufen bringen zu können. Die Meisten, die zu uns kommen, haben auch nur sehr begrenzte Möglichkeiten. Das würde nichts bringen, wenn wir da mit High-Tech-Ausrüstung in einer Fachwerkstatt mit Neonlicht stehen würden.

Khaled: Ich wünsche mir, dass alle Leute gesund bleiben (lacht). Und ich würde gerne eine Arbeit finden. Eigentlich kann ich alles reparieren, von Fahrrädern über Autos bis hin zu elektronischen Geräten. Außerdem habe ich 8 Jahre Erfahrung im Bereich der Programmierung von Spritzgießmaschinen.

 

Euer Ratschlag: Wie finde ich das richtige Ehrenamt für mich?

Friedhelm: Angefangen habe ich ja in der Flüchtlingsbetreuung. Aber sich mit Behörden und Ämtern rumzuschlagen, das war nicht mein Ding und gefiel mir nicht. Da ist es wichtig selber Ideen zu haben und Möglichkeiten zu finden.

Khaled: Es ist wichtig selber aktiv zu werden!