Kultur-und Bildungsverein präsentiert: Heimat zwischen Hähnchenbrustsalat, Humorarbeitern und heiteren Randgruppen- Chansons

BUZ: Ingo Börchers und seine Ehefrau und Daniela Börchers begeisterten am Abend der feinen Künste als Moderatoren.

170 Besucher haben am Samstagabend in Harsewinkel einen gelungenen „Abend der feinen Künste“ erlebt. Unter dem Motto „Heimaturlaub“- Zurück in Ostwestfalen“ präsentierte der Kultur- und Bildungsverein e. V. (KuBi) mit Ingo und Daniela Börchers, Wiglaf Droste, Dagmar Schönleber und Sebastian Krämer bekannte, regionale Kabarettisten, Satiriker und Querdenker.

Moderator Ingo Börchers begrüßte die gut gelaunte Besucherschar im „Epizentrum des ausgelassenen Frohsinns“. Seiner Ansicht nach sei Berlin Hauptstadt, Wuppertal im Schwebezustand, Bielefeld ein Schicksal, Paderborn eine Geisteshaltung und Harsewinkel eine Lebenseinstellung.  Er als Bielefelder Humorarbeiter befasse sich während seiner Tourneereisen quer durch Deutschland oftmals mit der Frage nach Heimat. Dabei sei stets „Lokal denken, Bier bestellen“ angesagt.Viel Beifall gab es auch für die temporeiche Vorstellung „Typisch deutsch“. „Deutschland, das ist Kinderparadies und Drogerie, Wagen waschen am Samstag, Tatort gucken am Sonntag, Dichter und Denker, Richter und Henker, Oktoberfest im September,Länderfinanzausgleich, Schützenfest und Weihnachtsmarkt, Apfelschorle und Pfandautomat und die Erkenntnis, dass niemand die Absicht hat, einen Flughafen zu errichten“.

Um den Sprachgebrauch der Ostwestfalen ging es bei den Gedichten von Wiglaf Droste (56), ein gebürtiger Herforder. „Der Ostwestfale sieht manchmal aus wie eine Kartoffel, und immer spricht er so. Er sagt nicht wirklich oder Wurst, sondern wiaklich und Wuast, der Nachmittag ist ihm ein Namiitach und das Abendbrot ein Aaahmtbrot. Ich weiß das, ich komme da wech“. . Auch sei ein Tünsel ist ein ostwestfälisches Wort, dessen Bedeutung sich nicht auf Anhieb erschließt, denn ein Tünsel ist nicht unbedingt ein Dummkopf ­ eher einer, dem ein Patzer unterlief. Für ihn sei das Wort Heimat keine Landschaft, sondern eine Sprache, in der Dölmer, Hachos und Tünsel durcheinanderramentern, wullacken und kalbern. „Das ist Heimat genug“, bilanzierte Wiglaf Droste von lautstarkem Beifall begleitet.

Um „Frauen und Technik“, Mut zu Fachvokabular und Randgruppen-Chansons („Weil es einer machen muss“) und „Reisende Rentner“ ging es bei dem pointenstarken Auftritt von Dagmar Schönleber. Zwischen der Erkenntnis, das „Aida ist billiger als betreutes Wohnen“ und es Willi und Erna aus dem Osten der Republik schöner finden mit einem Kamel durch die Wüste zu tingeln, statt nach Stalingrad zu reisen („Scheiß auf grauen Star, wir ziehen nach Myanmar) gelang es der Sängerin und Musikerin das Publikum zum Mitsingen des Refrain „Reisende Rentner, he, ho, let’s go“ zu animieren.

Mit viel Applaus belohnt wurde auch der 1975 im ostwestfälischen Kalletal geborene Liedermacherhandwerker, poetische Intellektuelle und Komponist Sebastian Krämer (42) aus Berlin. Ob sein teils derber Gesang der „Unkorrekten Träume“ oder das selbstkomponierte Sich-selbst-Ansage-Lied „Schicki Wiki“; Sebastian Krämer brillierte mit feiner Ironie, sich selber am Klavier begleitend.