Zwischen Umweltqualität, Breitbandversorgung, Gewerbeflächen und Ausbildungsreife bei Jugendlichen – Meinungsbild der Unternehmen offenbart Top-Flop Ranking in Harsewinkel

Vo.lI: Arne Potthoff (Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen), Heinz Niebur (Kämmerer der Stadt Harsewinkel), Markus Wiegert (Wirtschaftsförderer), Burkhard Marcinkowski (Unternehmerverband Kreis Gütersloh), Dr. Christoph von der Heiden (Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen) und Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide.

Im Vergleich der Standortanalyse der Industrie- und Handelskammer (IHK) aus dem Jahr 2003 hat sich das Image der Stadt Harsewinkel aus Unternehmersicht deutlich verbessert. Dennoch hat die Standortumfrage der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK), des Unternehmerverbandes des Kreises Gütersloh (UVGT) und der Stadt Harsewinkel einige Handlungsfelder zutage gefördert, mit denen man sich im Rathaus auseinandersetzen sollte, um die Attraktivität des heimischen Wirtschaftsstandortes weiter zu verbessern. Ganz oben auf der Liste steht dabei eine möglichst schnelle Breitbandversorgung. Die bildet nämlich, nach Ansicht der insgesamt 80 Rückmeldungen von 503 angeschriebenen Unternehmen und Betrieben in Harsewinkel, den größten Kritikpunkt. Gefolgt von fehlender Ausbildungsreife bei Jugendlichen, mangelnder Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften und geeigneten Gewerbeflächen. Die Firmen konnten bei der vom Institut für empirische Wirtschaftsforschung und angewandte Statistik aus Hannover begleitenden Umfrage Zufriedenheit aber auch Kritik zu 50 Faktoren aus den Themengebieten Infrastruktur, Kosten, Marktpotenzial/Region, Fachkräfte/Bildung sowie Attraktivität der Stadt insgesamt, der Stadt- und der Kreisverwaltung äußern.

Umweltqualität, allgemeinmedizinische Versorgung, Sport- und Freizeitmöglichkeiten sowie Ansprechbarkeit und Verfügbarkeit bei der Kommune wurden von den heimischen Unternehmen am besten bewertet. Auch moderate Hebesätze bei Gewerbeflächenpreisen sowie Gewerbe- und Grundsteuern waren erwähnenswert positive Ergebnisse. „Wirtschaftsfreundlichkeit der Bevölkerung und die längerfristigen Weichenstellungen für Wachstum und Beschäftigung werden jedoch in Harsewinkel eher unterdurchschnittlich bewertet“, so der IHK-Geschäftsführer Dr. Christoph von der Heiden. Dennoch würden sich 77 Prozent der befragten Firmen erneut für die Stadt Harsewinkel als Wirtschaftsstandort entscheiden. Im Kreisvergleich ein leicht unterdurchschnittlicher Wert. 72 Prozent würden Harsewinkel anderen Unternehmen bei Ansiedlungsüberlegungen weiterempfehlen, offenbart die Standortanalyse. Ebenfalls eine gute Nachricht ist auch, dass sich 39 Prozent der befragten Betriebe in den nächsten fünf Jahren am Standort Harsewinkel vergrößern möchten. Um dieses positive Signal nicht verpuffen zu lassen, müssen deshalb schnellstmöglich baureife Gewerbe- und Industrieflächen aufgeplant werden. Kein einfaches Unterfangen, denn trotz Flächenreserven könne man die Eigentümer nicht zum Verkauf zwingen, so Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide. Die Bürgermeisterin bedauerte, dass man erweiterungswilligen und ansiedlungsinteressierten Unternehmen derzeit keine verfügbaren Flächen anbieten könne. Der letzte Verkauf einer Industriefläche im Jahr 2011 war ein 5,8 Hektar großes Areal, das Arvato an der Brockhäger Straße erworben hat. Seitdem ist man mit der Planung eines 8,3 Hektar großen Gewerbegebietes westlich der Steinhäger Straße beschäftigt. Zudem hofft die Bürgermeisterin auf eine schnelle Realisierung des interkommunalen Gewerbegebietes auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens, wo für Gewerbe- und Industrie insgesamt 118 Hektar entstehen sollen.

Wenig überraschend kam für die Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide die Unzufriedenheit der Breitbandversorgung. „Uns ist schon länger bekannt, dass das ein ganz zentrales Thema ist“. Der städtische Wirtschaftsförderer Markus Wiegert machte deutlich, das Glasfaser das erklärte Ziel sei.

Zur geringen Zufriedenheit bei der fehlenden Ausbildungsreife von Jugendlichen und von qualifizierten Fachkräften betonte die Bürgermeisterin, dass dies ein gesellschaftliches Problem sei. Einer der Gründe für das mangelnde Interesse an Handwerksberufen und dualen Ausbildungen sei die zunehmende Akademisierung, so Burkhard Marcinkowski, Geschäftsführer des Unternehmerverbands.