Normalität auf den Kopf gestellt – Zeitgenössische Kulturkritik zum Lachen und Nachdenken

Kabarettist Matthias Brodowy aus Hannover begeisterte am Freitag mit seinem Programm „Gesellschaft mit beschränkter Haltung".

„Volles Haus“ war am Freitag mit dem Hannoveraner Kabarettist Matthias Brodowy im Heimathaus Harsewinkel angesagt. Rund 100 Besucher waren der Einladung des Kultur- und Bildungsverein Harsewinkel gefolgt. Mehr als zwei Stunden suhlte sich der Humor- Analyst, im Rahmen seines im September 2016 vorgestellten, neunten, Programms „Gesellschaft mit beschränkter Haltung“ im Pool der Spitzfindigkeiten. Dabei war durchaus nicht immer alles lustig. Aber genau diese Mischung brachte den Erfolg. Mit seinem intelligenten, politischen Kabarett  machte der selbsternannte „Vertreter des gehobenen Blödsinns“, modern auch „Chief director for a high level bullshit“, unmissverständlich klar, das in der heutigen Zeit „immer die anderen“ Schuld seien. Dabei zitierte er Jean-Paul Sartres Ausspruch „Die Hölle, das sind die anderen“.

Und überhaupt: das Smartphone habe den in Millionen Jahren verfestigen aufrechten Gang der Menschheit zunichtegemacht. „Wie beim ersten Sündenfall im Paradies, handelte es sich auch hier um einen angebissenen Apfel“. Dabei sei es verstörend was das Handy alles über seinen Besitzer wisse. „Keiner kennt sie so gut wie ihr Handy “. Anerkennenden Zwischenbeifall gab es für seine Gedankengänge rund um „Architekten, Rosinen und frittierte Sardellen“, „Zirkusdirektor, Kioskbesitzer und Bestatter“ und Hornhauthobel, nach dessen Nutzung er immer an Parmesan mit Rucola denken muss. „Komisch oder“ grinste er verschmitzt ins Publikum. Genauso skurril, wie die europäische Gurkenkrümmungsverordnung und die Seitenbacher-Müsli-Werbung. Letzteres ist nach Ansicht von Matthias Brodowy „ein Verbrechen an der Menschlichkeit“

Komisch fand er dagegen irrationale Ängste. So rede niemand vom Krankenhauskeim während alle bei Kragenschutz kurz vor der Hysterie stünden. „Dabei sterben tausende Menschen an dem Keim, den man, wenn man wollte, in den Griff bekommen könnte. Aber solange wir gesund sind, ist das ja alles kein Thema. Da haben wir lieber Angst vor Aische, die im Burkini an der Cote Azur baden will aber keine Angst vor Ronny, der in Eberswalde in seinem Vorgarten die preußische Reichskriegsflagge hisst. Wir haben Angst vor Schweinegrippe aber der massive Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht interessiert uns nicht“.