Über Vergessenes und geklaute Souvenirs: „Ich packe meinen Koffer und nehme mit…“

Arno Knobbe, Inhaber des Landhotel „Altes Bauernhaus“ in Marienfeld, findet in den Gästezimmern so manches vergessenes Schätzchen.

Das Jäger- und Sammlertum spielte bei der evolutionären Entwicklung der Menschheit einen überlebenswichtigen Faktor. Das diese Veranlagung auch Millionen Jahre noch immer in den Genen vorhanden ist, davon können vor allem Besitzer von Hotels und Pensionen ein Lied singen. Alle Jahre wieder lassen Gäste in der Hektik der Abreise schon mal unbeabsichtigt etwas zurück. Oder nehmen ungehemmt Dinge mit, die ihnen nicht gehören. Dabei wird nahezu alles geklaut, was nicht niet-und nagelfest ist. Betroffen sind dabei nicht nur Übernachtungsbetriebe in Großstädten. Auch Inhaber von Hotels in Harsewinkel, Marienfeld und Greffen können einiges berichten.

Nach der Abreise der Gäste finden die Zimmermädchen oftmals echte „Schätze“. Angeführt wird die Hitliste der vergessenen Habseligkeiten von Klassikern, wie Ladekabel, Drogerieartikel, Bekleidung, Bücher und Handys. Während es im Hotel Poppenborg in Harsewinkel zu 90 Prozent vergessene Kleidungsstücke sind, waren in der Hotel-Residence Klosterpforte in Marienfeld schon mal ein Gebiss und ein Hörgerät. Im Hotel Meier-Westmeyer in Marienfeld fanden die Mitarbeiter einen Laptop, im Hotel „Haus Bergmann“ in Harsewinkel einen Aktenkoffer und im Landhotel „Altes Bauernhaus“ in Marienfeld sogar einen Kosmetikkoffer mit wertvollem Schmuck. Können die Heim- oder Weiterreisenden nicht mehr rechtzeitig erreicht werden, schicken einige Hotelmitarbeiter die Fundstücke sofort nach. Andere bewahren die Sachen eine Weile auf und melden sich erst etwas später bei den ehemaligen Gästen.

Aber es gibt nicht nur Vergessenes sondern leider auch Diebstahl.  Während das „Amadis Bella“ Hotel & Restaurant in Harsewinkel immer wieder mal wieder Handtücher vermisst, fehlten im Reiter- und Gästehof Everding in Harsewinkel in einem Zimmer auf einmal die Gardinen. Im Harsewinkeler Hotel Poppenborg wurde in den 60er Jahren sogar mal ein großer Röhrenfernseher geklaut. Wesentlich einfacher hatte es da ein Dieb, Anfang September 2015, in Marienfeld. Gut erkennbar von der hoteleigenen Videoüberwachungsanlage gefilmt, klaute der Räuber am helllichten Tag aus einem im Erdgeschoss befindlichen Hotelzimmer einen modernen Flachbildfernseher. In der Aufzeichnungen ist zu sehen, wie der wie der Mann zunächst den Hotelkomplex per Rad auskundschaftet. Minuten später stieg er dann in ein Zimmer auf der rückwärtigen Seite des Hotels ein. Dort montierte er innerhalb weniger Minuten den Fernseher ab und machte sich, mit dem Gerät unter dem Arm, aus dem Staub. Dank der Videoaufzeichnung konnte der Mann später gestellt werden.

Überaus beliebt sind auch Dekorationen.  So wie die Kissen, Deko-Rehe und eine Garderobe in Form von Geweihen, die eigentlich der Hotel-Residence Klosterpforte gehörten. Auch Aschenbecher und Decken sowie ein Telefon landeten schon unrechtmäßig im Koffer von Gästen. Im Hotel Meier-Westmeyer scheinen die Eierlöffel ein Objekt der Begierde zu sein, da diese ständig mitgenommen werden. Im Traditionszimmer des „Alten Bauernhauses“ verschwand Anfang der 90er Jahre, nach und nach, eine vierteilige Bilderserie von den Wänden. „Erst war der Herbst, dann der Winter und später auch der Sommer und der Frühling weg“ erinnert sich Hotelinhaber Arno Knobbe. In den 80er und 90er Jahren sind vorzugsweise Biergläser und Dekoartikel von auffällig vielen britischen Hotelgästen als Erinnerungstrophäen mitgenommen worden. „Die meisten Sachen wurden allerdings in den nächsten Tagen dann wieder voller Reue wieder zurück gegeben“, schmunzelt Arno Knobbe.

Text: Gabriele Grund/Kristina Litke

Foto: Gabriele Grund