Vom Flüchtlingsnotquartier zur Kindertagesstätte -“Bullerbü” in den Startlöchern

Sie freuen sich auf die neue Kita „Bullerbü“, die als Interimslösung in die ehemaligen Flüchtlingshäuser in der Münsterstraße einzieht. Vo.li: Norman Kuhn (NRW-Projektleiter Kinderzentren Kunterbunt),Ulrike Haget (Bürgerdienste- Kindergärten Abwicklung der Elternbeiträge und Schülerbeförderung ), Monika Ricke (Bürgerdienste-Ganztag, Jugendarbeit) und Andreas Harneke (Bauamt)

Pipi Langstrumpf hätte vermutlich ihre helle Freude, denn „Harsewinkel wird kunterbunter“: So lautet zumindest das Versprechen des Kinderzentrums „Kunterbunt“ aus Nürnberg, die ab 25.September insgesamt 44 Kinder über drei Jahre in den vier Schwedenhäusern im Schwesterngarten der Dechanei betreuen.  Hausleiterin Jutta Schäfer (42), Erzieherin, Fachwirtin Erziehungswesen sowie Mutter von zwei Kindern (13 und 15 Jahre) aus Telgte freut sich auf ihre neuen Aufgaben. Zusammen mit fünf weiteren Kolleginnen aus dem Raum Gütersloh und Warendorf wird sie sich von Montag bis Freitag, täglich von 7.30 bis 16.30 Uhr, um die Kinder im dem bunten Schwedenhaus-Ensemble kümmern. Erfahrung bringt sie reichlich mit. Jutta Schäfer wechselt vom BASF- Betriebskindergarten in Hiltrup bei Münster nach Harsewinkel. Das Kinderzentren Kunterbunt wurde 1998 in Nürnberg gegründet. In seinen Leitsätzen versteht man sich der staatlich und kommunal anerkannte, gemeinnützige Träger von Kinderbetreuungseinrichtungen als „Partner der Familie“. Hauptaugenmerk sei das Schaffen von Betreuungsplätzen, die den Bedürfnissen berufstätiger Eltern angepasst seien, so Norman Kuhn, Projektleiter für das Kinderzentrum Kunterbunt in Nordrhein-Westfalen. Die Kita „Bullerbü“ ist, neben der Kita Seepferdchen in Gütersloh, die zweite Einrichtung im Kreis Gütersloh.  Bis Ende 2017 werden es in NRW insgesamt 30 Einrichtungen sein, deutschlandweit sind es über 70 Kitas. In der Harsewinkeler „Bullerbü“-Kita sind aktuell noch 14 Plätze frei.

120.000 Euro haben die im April begonnenen Umbauarbeiten der vier Häuser im innerstädtischen Bereich, in denen von März 2016 bis Januar 2017 mehr als 30 Flüchtlinge untergebracht waren, gekostet.  Für die Umnutzung waren allerdings einige baurechtliche Änderungen nötig. Neben barrierefreien Zugängen über Rampen, dem Entfernen von Wänden zur Vergrößerung der rund 65 Quadratmeter großen Häuschen, dem Einbau einer Küche sowie das Anpassen von sanitären Einrichtungen auf Kindergröße, bildete auch das Anlegen eines gesetzlich vorgeschriebenen zweiten Rettungsweges, durch jeweils eine zusätzliche Tür in jedem Haus, einen der größten Kostenfaktoren. Im gelben Haus befindet sich die Mensa. Das Essen wird von einem Caterer aus Dortmund täglich, bereits zu 60 Prozent zubereitet, frisch angeliefert und in der Schwedenhaus-Küche von einer Küchenhilfe fertig gekocht und mit Beilagen angereichert. Im blauen Haus sind Verwaltung, Personalräume und ein kleines Lager vorgeplant.  In dem roten und weißen Haus befinden sich die Gruppenräume für die Kinder. Damit auch das Außengelände ein ansprechendes Spielparadies wird, sind derzeit noch Handwerker mit der Modellierung des Geländes beschäftigt.

Trotz des ganzen Aufwandes handelt es sich um eine Interimslösung, denn der Träger, das Kinderzentrum „Kunterbunt“, plant aktuell den Kitaneubau am Prozessionsweg.  Rund 70 Kinder in vier Gruppen sollen ab Herbst 2018 in der zukünftigen, 750 Quadratmeter großen Betreuungseinrichtung einen Platz finden. Dabei können dann auch „Unter Dreijährige“ aufgenommen werden, für die in den derzeitigen Schwedenhäusern keine Plätze eingerichtet werden können.

Sorge, das die vier Schwedenhäuser nach dem Auszug der “Kunterbunt”-Kita verwaisen könnten, hat Andreas Harneke vom Städtischen Bauamt nicht. Sollte sich die Flüchtlingssituation wieder verschärfen, sei ein baulicher Rückbau jederzeit möglich. Zudem wären unterschiedliche öffentliche Nutzungen, wie beispielsweise für  Verwaltung, Altenbetreuung oder Jugendgruppen möglich.