Vereinsleben bekommt Heimat – Endspurt beim Marienfelder Bürgerhaus

Ludger Hecker vor dem Eingang des neuen Bürgerhauses an der Klosterstraße in Marienfeld.

Gabriele Grund / Kristina Litke

Seit  mehr als 26 Jahren besteht beim Marienfelder Heimatverein der Wunsch nach einem Bürgerhaus. Zahlreiche mögliche Standorte wurden seitdem in Augenschein genommen, immer wieder wurden Pro und Kontra kontrovers diskutiert, immer wieder zerplatzte der Traum nach einer eigenen Heimat für das Vereinsleben. Mal scheiterte es am Geld, mal an der Eignung des Standortes. Doch der hartnäckige und beharrliche Kampf zahlte sich aus. Das Marienfelder Bürgerhaus an der Klosterstraße erstrahlt von außen bereits in voller Pracht.

„Solange ich Vorsitzender bin, beschäftigt mich das Thema Bürgerhaus“ erklärt der Vorsitzende des Marienfelder Heimat- und Schützenvereins, Ludger Hecker. Doch schon lange vor seinem Amtsantritt, nämlich im November 1990, wurde ein Antrag zur Erweiterung der damaligen0 Heimatstube am Feuerwehrhaus gestellt, weil diese in den räumlichen Anforderungen einfach zu klein war. Das aus dem Traum nun Wirklichkeit wird, ist dem bekannten Marienfelder Textilunternehmer Heiner Bessmann zu verdanken. Der heimatverbundene Schneidermeister und sein Sohn Gebhard schenken dem Heimatverein nämlich ein altes Fachwerkhaus, das ehemals in Lintel stand. Dazu gibt es einen finanziellen Zuschuss von 100.000 Euro. Die Stadt wird sich an dem rund 850.000 Euro Projekt mit einem Zuschuss von 250.000 Euro beteiligen.

Es war einst die Hofstelle Hansmeier im Rheda-Wiedenbrücker Ortsteil Lintel, die Heiner Bessmann 2012 abbauen und einlagern ließ, bevor er es dem Marienfelder Heimatverein als Schenkung überreichte. Seit dem Spatenstich im Oktober 2016 sind Handwerker verschiedener Gewerke mit dem Wiederaufbau des Gebäudes am Parkplatz Klosterstraße beschäftigt. Ihre Hauptaufgabe war es mehr als 280, mittels Aluminiumplättchen durchnummerierte und in einer Skizze vermerkte Eichenbalken zu einem tragfähigen Gebäude zusammenzusetzen. Rund 360 Quadratmeter Nutzfläche stehen zur Verfügung. Aufgrund der statischen Vorgaben mussten für den Innenbereich rund 80 Prozent neue Balken verwendet werden. Nach einer Gründung des mittlerweile rund 100 Mitglieder starken Trägervereins „Bürgerhaus Marienfeld“ Mitte August 2015, dessen Vorsitz Franz-Josef Peters inne hat, konnte Mitte März diesen Jahres Richtfest gefeiert werden. Seit April sind die Handwerker mit dem Innenausbau beschäftigt.

Nachdem nun schon mehr als 20 Fenster und fünf Türen eingebaut sind und das Bürgerhaus damit „dicht“ ist, werden derzeit die Innenwände des Gebäudes verputzt. Ein anspruchsvolles Unterfangen, denn dieser Arbeitsgang erfolgt nach alter Tradition. Das bedeutet, das mehrere Schichten Lehm- und Holzfaserdämmungen aufgetragen werden, die lange durchtrocken müssen, bevor Heizung und weitere Kabelkanäle dazu gefügt werden. Ein langwieriges Verfahren, so Ludger Hecker. Ein echter Hingucker ist, neben der Außenfassade mit seinen schmucken Fenstern auch eine Eingangstür mit Kreuz,- Herz und Anker- Ornamenten, die als theologische Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung symbolisieren. Gestiftet hat sie Heiner Bessmann. „Die Tür hatte er noch im Bestand. Sie extra aufgearbeitet“. Beachtenswert ist auch eine zu Ehren des Stifters Heiner Bessmann angefertigte, im Mauerwerk eingelassene, Steinplatte. „Bürgerhaus. Erbaut 1870 von Familie Hansmeier Lintel. Wieder errichtet 2017 durch Heiner Bessmann“ ist dort zu lesen.

An den Seiten des großen Saals wird ein Zwischenboden gebaut, der jedoch aus Brandschutzgründen nur als Lager dienen wird. Licht scheint durch den großen Auslass, wo später noch eine große Deelentür eingebaut wird. Auf der rechten Seite des Saals ist eine Theke vorgeplant, von der einen kurzen Weg in die zukünftige Küche hat. Im Sanitärbereich wurde bereits emsig gefliest, denn neben den Handwerkern finden sich nahezu täglich auch ehrenamtliche Helfer an der Baustelle ein. Vor allem am Wochenende wird an der Klosterstraße emsig gewerkelt. Frei nach dem Motto „Viele Hände, schnelles Ende“ sind samstags bis zu fünfzehn Freiwillige vor Ort. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele sein werden, die mithelfen“, freut sich Ludger Hecker. Die Absprachen erfolgen meist über einen Handymessenger. Manche müsse man aber persönlich ansprechen, andere ergreifen selbst die Initiative und fragen nach Arbeit. Einige Familien versorgten die Ehrenamtlichen mit leckerem Essen, freut sich Ludger Hecker über das tolle Engagement, das bisher rund 700 ehrenamtliche Stunden umfasst. Nach der Einweihung befragt, erklärt der Vorsitzende, das in jedem Fall der Neujahrempfang 2018 im neuen Bürgerhaus gefeiert werden soll. „Egal ob hier schon alles fertig ist oder nicht“.