Heimatwissenschaft : Beeindruckende Rekonstruktionen rund um historische Fassadengestaltungen und eine zufällig entdeckte Fensterrosette

Stadtführer Heinrich de Byl (li.) und Leonhard Sieweke (re.) vor den rekonstruierten Zeichnungen, die während der Ausstellung zu sehen waren.

Aufwendig recherchierte Dokumentationen und handgefertigte Zeichnungen rund um eine romanische Fensterrosette und Fassadengestaltungen des ehemaligen Zisterzienserkirche Marienfeld standen am Sonntag im Mittelpunkt der Ausstellung „Rekonstruktion der Westwand der ehemaligen Abteikirche“. 13 Zuhörer, darunter auch Stadtführer Heinrich de Byl, waren dem ersten der insgesamt zwei Vorträge von Leonard Sieweke, als Sprecher des 2014 gegründeten Marienfelder Klosterhofkreises, gefolgt.

Mit der Ausstellung wolle er zeigen, wie die Gebäude früher ausgesehen haben. „Es gibt nämlich erst ab dem 13. Jahrhundert Zeichnungen von den Gebäuden. Das hat damit zu tun, das von 1150 bis 1300 eine sehr rege Bautätigkeit gab. Dabei wurden so viele Klöster und Kirchen gebaut, dass man mit dem Zeichnen gar nicht nachkam“, erklärte Leonhard Sieweke seinen Zuhörern. Zudem erklärte er, dass man anhand der Baustile auch deutlich erkennen kann, wo einst reiche Bürger lebten.

Zu verdanken ist die interessante Dokumentation den heimatgeschichtlich belesenen Hobbyhistoriker Andreas Sassen aus Solingen. Der Handwerksmeister und ehemalige technische Leiter einer westfälischen Brennerei beschäftigt sich nicht nur seit dem Jahr 2000 mit regionalen Kirchenbauten und hat mit seiner Tochter Claudia Sassen bereits etliche Publikationen über Bau- und Kunstdenkmäler in Westfalen, Niedersachsen und dem Rheinland verfasst, sondern hat auch in vielen Stunden detailgetreue Skizzen von der Kirchen-Westfassade des Klosters Marienfeld angefertigt. „Das ist derart akribisch, dass man auf den ersten Blick denken könnte, dass es sich um Fotos handelt“, so Leonard Sieweke. Da die Fassade im Jahr 1700 durch den Anbau der Abtei unwiederbringlich vernichtet wurde, orientierte sich Andreas Sassen in seiner zeichnerischen Rekonstruktion an einer romanischen Fensterrose, die 1984, im Rahmen von Renovierungsarbeiten der Alten Abtei, eher zufällig entdeckt wurde, weil ein Werkzeug in eine Hohlwand der Ostwand fiel. Bei der Suche wurde die fünf Meter große Fensterrose entdeckt. . Weil es keinerlei Nachweise gab, machte sich Andreas Sassen ans Werk der Nachforschungen.