Ausstellung in Marienfeld: Verborgene Geschichte bekommt Platz in der Öffentlichkeit

Leonhard Sieweke (li.) und Andreas Sassen (re.) vor den rekonstruierten Zeichnungen, die bei der Ausstellung zu sehen sein werden.

Geschichtliche Sensationen und dokumentationswürdige Berichte rund um eine romanische Fensterrosette sowie Gestaltungen von Fassaden und Eingängen des ehemaligen Klosters Marienfeld bilden am 21. Januar 2018 die Ausstellung „Rekonstruktion der Westwand der ehemaligen Abteikirche“ die inhaltlichen Schwerpunkte. Dabei wird deutlich, dass das am 1. November 1185 eingeweihte Kloster Campus Sanctae Mariae (Feld der Heiligen Maria) in Marienfeld, ein Quell voller spannender Vergangenheitsgeschichten ist.

Von 15 bis 17 Uhr wird in der öffentlichen Ausstellung „Rekonstruktion Westwand Abteikirche“ mit Skizzen und Schriftstücken ein geschichtlicher Querschnitt vermittelt, dessen Anfang eine durch Heiner Bessmann an Leonhard Sieweke überreichter Umschlag mit alten Skizzen die Initialzündung bildete. Als Sprecher des 2014 gegründeten Klosterhofkreis machte sich Leonhard Sieweke sofort auf den Weg, um den heimatgeschichtlich belesenen Fachmann Andreas Sassen aus Solingen danach zu befragen. Andreas Sassen, Handwerksmeister und einstiger technischer Leiter im westfälischen Brennerei- und Spirituosengewerbe, beschäftigt sich seit dem Jahr 2000 regionaler Kirchenbauten. Einen Schwerpunkt bildeten dabei Skizzen, wie sie Andreas Sassen auch von der Kirchen-Westfassade des Klosters Marienfeld angefertigt hat. Da sie im Jahr 1700 durch den Anbau der Abtei unwiederbringlich vernichtet wurde, orientierte sich Andreas Sassen in seiner zeichnerischen Rekonstruktion an einer romanischen Fensterrose, die 1984, im Rahmen von Renovierungsarbeiten der Alten Abtei, eher zufällig entdeckt wurde, weil ein Werkzeug in eine Hohlwand der Ostwand fiel. Bei der Suche wurde die fünf Meter große Fensterrose entdeckt. Eine echte Sensation. Weil es keinerlei Nachweise gab, machte sich Andreas Sassen ans Werk der Nachforschungen.

„Die Formen von Bau und Gestaltung der Fensterrosen sind allgemein von Frankreich nach Deutschland übernommen worden. Eine der ältesten Westrosen ist im 12.Jahrhundert an der Klosterkirche Eberbach ausgeführt worden“, so Andreas Sassen. Da nahezu alle Fensterrosen aus der Zeit heute zerstört sind, blieb aus der Zeit um 1220 einzig die Fensterrose aus Marienfeld, die damit ein wichtiges Bindeglied zur Erforschung der spätromanischen Baukunst darstellt. „Dazu übernahm man das übliche Lochplattenmaßwerk, vergrößerte die Kreislöcher zu Lanzettfenster und setzt zur Zierde und Veredlung des Ganzen ein Speichenrad davor“ erläuterte Andreas Sassen die damalige Vorgehensweise. Der spätromanische Bau der Klosterkirche, dem erst später die frühgotischen Querschiffteile angefügt wurden, bekam durch die erlesene Architektur der Westseite ein wahrlich feierliches Festkleid. „Es ist anzunehmen, dass die Westfassade des Klosters zur Kirchweihe am 4.November 1222 fertig gestellt war, denn man kann sich kaum vorstellen, dass den vielen kirchlichen Würdenträger ein Baugerüst präsentiert wurde, als sie in die Kirche einzogen“, so Andreas Sassen. Der Eingang am Westportal sei so groß gestaltet worden, das ein kirchlicher Würdenträger zwischen zwei Begleitpersonen in die Kirche einziehen konnte.

Begleitend zur Ausstellung gibt es ein Geschichtsforum mit Historiker und Geschichtsdidaktiker Dr. Paul Leidinger (85) , emeritierter Professor der Universität Münster und Autor von mehr als 100 Büchern, wissenschaftlichen Aufsätzen, Essays und Zeitungsbeiträgen. Am 4.Febuar heißt es ab 11 Uhr „Die Gründung der Abtei Marienfeld 1185 und ihr reichspolitischer und theologischer Zusammenhang“, am Sonntag, den 18. Februar ab 11 Uhr werden Andreas Sassen und Prof. Dr. Leidinger „Neue Forschungen zur Baugeschichte von Kirche und Kloster- Die Marienfelder Bauhütte“ referieren, am Sonntag, den 4.März steht, ab 11 Uhr, die „Marienfelder Klostergeschichte von Mittelalter bis zum Barock“ im Mittelpunkt und am Sonntag, den 18.März wird ab 11 Uhr „Die Aufhebung des Klosters Marienfeld durch Preußen mit der Säkularisation 1803 und sein Nachleben“ Thema sein.